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Rudolf ‚ÄěRudi‚Äú Dutschke


dt. Politiker und Soziologe
*07.03.1940 Schönefeld/Brandenburg
+24.12.1979 Arhus (Dänemark)

Rudi Dutschke ist Symbolfigur der 68er Generation; sein Name ist Inbegriff flammender Reden und handgreiflicher Auseinandersetzungen mit der Staatsgewalt zur Zeit der Studentenrevolte Ende der 60er Jahre.

Nach dem Abitur wollte der begeisterte Leichtathlet zunächst Sportjournalismus an der Universität Leipzig studieren, erhielt dort jedoch keinen Studienplatz, weil er den Wehrdienst in der NVA der DDR verweigert hatte. So pendelte Dutschke ab 1960 regelmäßig nach Berlin (West), um das Westabitur nachzuholen.Der Mauerbau im August 1961 veranlaßte ihn, im Westteil der Stadt zu bleiben, wo er an der Freien Universität ein Soziologiestudium aufnahm.

Zwischen 1965 und 1968 wurde Dutschke zum f√ľhrenden Theoretiker der au√üer-parlamentarischen Opposition (APO) und bekanntester Sprecher des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS). Geschult an Adorno, Luk√°cs, Marcuse und Marx verfocht er seine Thesen von der manipulierten Gesellschaft. Nach Bildung der Gro√üen Koalition aus SPD und CDU/CSU (1966) und der Erschie√üung des Studenten Benno Ohnesorg (1967) durch einen Polizisten w√§hrend des Besuchs von Schah M. Resa Pahlawi organisierte Dutschke in Berlin zahlreiche Proteste und Demonstrationen, die ihn einer breiteren √Ėffentlichkeit bekannt machten.

1966 heiratete er die Amerikanerin Gretchen Klotz. Dutschke veranla√üte zahlreiche, auch provokante Aktionen gegen die konservativen politischen Strukturen in der Bundesrepublik. Mit den sog. ‚ÄěOffensivaktionen‚Äú gegen den Vietnamkrieg und die Notstandsgesetze hoffte er, Minderheiten gegen die Verstaatlichung von Gewalt und Radikalit√§t gegen√ľber Andersdenkenden mobilisieren zu k√∂nnen. Dutschke proklamierte den ‚Äělangen Marsch‚Äú durch die Institutionen und forderte die grunds√§tzliche Reform des Staates als erstes Recht, aber auch erste Pflicht seiner B√ľrger ein.

Am 11. April 1968 wurde Rudi Dutschke in Berlin auf offener Stra√üe von dem 23j√§hrigen Arbeiter Josef Bachmann niedergeschossen und lebensgef√§hrlich verletzt. Das Attentat l√∂ste eine Welle von teilweise gewaltt√§tigen Ausschreitungen aus, in deren Zentrum der Protest gegen Hetzkampagnen der Springer-Presse standen; Ger√ľchte um ein staatlich gelenktes Attentat machten die Runde. Dutschke √ľberlebte und nahm nach langem Genesungsproze√ü 1971 sein Soziologiestudium in London wieder auf, wurde aber kurze Zeit sp√§ter von den britischen Beh√∂rden des Landes verwiesen. Er zog in das d√§nische Arhus und √ľbernahm an der dortigen Uni einen Lehrauftrag. Wieder in Berlin, erwarb Dutschke 1974 den Doktortitel an der Freien Universit√§t.

Am 24. Dezember 1979 verstarb Rudi Dutschke unerwartet in Arhus - vermutlich an den Sp√§tfolgen der w√§hrend des Attentats erlittenen Kopfverletzungen. Er hinterlie√ü die Kinder Hosea Che und Polly Nicola. Knapp vier Monate nach seiner Beisetzung in Berlin wurde   das dritte Kind, Rudi Marek, geboren. Eine Steintafel im Gehweg vor dem Haus Kurf√ľrstendamm 141, 10709 Berlin, enth√ľllt am 23.12.1990, erinnert heute an das Attentat auf Rudi Dutschke, das an dieser Stelle stattgefunden hat; Inschrift:

 

ATTENTAT auf RUDI DUTSCHKE

- 11. April 1968 -

An den Spätfolgen der Schußverletzung

starb Dutschke 1979.

Die Studentenbewegung verlor eine ihrer herausragendsten Persönlichkeiten.