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Biographie

von Elmar SchmÀhling

Elmar SchmĂ€hling war bis zu seiner Versetzung in den einstweiligen Ruhestand am 16.01.1990 Amtschef des Amtes fĂŒr Studien und Übungen der Bundeswehr.Über seine militĂ€rische Laufbahn hat der damalige Amtschef des StreitkrĂ€fteamts das folgende Dienstzeugnis ausgestellt:

Dienstzeugnis

Herr Flottillenadmiral Elmar S c h m Ă€ h l i n g geboren am 17. Februar 1937 in Bad Neustadt/Saale, hat in der Bundeswehr vom O2.09.l 957 bis 16.01.1990 Wehrdienst geleistet. Er war zuletzt vom 01.10.1984 bis 16.01.1990 als Amtschef des Amtes fĂŒr Studien und Übungen der Bundeswehr eingesetzt. Flottillenadmiral SchmĂ€hling trat am 01. September 1957 als Matrose und OffizieranwĂ€rter bei der 3. Schiffsstammabteilung ein. Es folgte die Ausbildung zum Offizier mit der Beförderung zum Leutnant am 08. MĂ€rz 1960. Die anschließenden wesentlichen Verwendungen des Flottillenadmiral SchmĂ€hling stellen sich wie folgt dar:  


PRIVATE1961 -1963

Schulfregatte "Hipper", Kiel

UJagdOffz

 

1964

Madagaskar - Leiter Beratergruppe bei der KĂŒstenpolizei

 

 

1964 - 1965

Geleitboot "Emden", Cuxhaven

UJagdOffz

 

1965 - 1967

Zerstörer 3, Kiel

UJagd- und TorpedoOffz

 

1967 - 1969

Marine-Unterwasserwaffenschule, Eckernförde

Hörsaalleiter

 

1969 - 1971

FĂŒhrungsakademie der Bundeswehr, Hamburg

Admiralstabslehrgang

 

1971 - 1972

Zerstörer 4, Kiel

1.    Offizier (IO)

2.     

1973 - 1976

MAD-Gruppe 1, Kiel

MAD-StOffz

 

1976 - 1980

Bundesministerium der Verteidigung, Bonn

Hilfsreferent in der Personalabteilung (P II 1)

 

1980 - 1982

Amt fĂŒr Sicherheit der Bundeswehr, Köln

Abteilungsleiter

 

1982 - 1983

Amt fĂŒr Sicherheit der Bundeswehr, Köln

Amtschef

 

1983 - 1984

Stiftung Wissenschaft und Politik, Ebenhausen

 

 

1984 - 1990

Amt fĂŒr Studien und Übungen der Bundeswehr, Bergisch-Gladbach

Amtschef

PRIVATEAb 01.10.1984 war Flottillenadmiral SchmĂ€hling Amtschef des Amtes fĂŒr Studien und Übungen der Bundeswehr.

Wie in den vorangegangenen Verwendungen hat sich Flottillenadmiral SchmĂ€hling auch als Amtschef des Amtes fĂŒr Studien und Übungen der Bundeswehr als ein Offizier erwiesen, der sich mit großer Einsatzbereitschaft und hohem Fleiß seinen Aufgaben widmet, der vor allem auch komplexe Sachverhalte mit Vehemenz angeht und rasch zum Wesenskern vorstĂ¶ĂŸt. Seine hohe Intelligenz, verbunden mit schwungvollem Handlungswillen, kennzeichnen seine gesamte Wehrdienstzeit Er ist immer bemĂŒht, LösungsvorschlĂ€ge aufzuzeigen, Probleme zĂŒgig zu lösen und lnitiativen zu entwickeln - auch auf Feldern die nicht unbedingt in seinem eigentlichen Aufgabenbereich liegen. Diese Ideen vertritt er mit viel Energie, Überzeugungsaufwand und Beharrlichkeit.

Die besonderen StĂ€rken des Flottillenadmirals SchmĂ€hling liegen darĂŒber hinaus in seinen ausgeprĂ€gt kreativen geistigen Anlagen, seiner KontaktfĂ€higkeit sowie in seinem Planungs- und Organisations-verrmögen.

In seiner TĂ€tigkeit als Amtschef Amt fĂŒr Studien und Übungen hat er stets gute Leistungen gezeigt. Flottillenadmiral SchmĂ€hling ist TrĂ€ger des Deutschen Sportabzeichens, des Leistungsscheines der deutschen Gesellschaft zur Rettung SchiffbrĂŒchiger sowie des Ritterkreuzes "Ordre National de RĂ©publique Malgache" (Madagaskar)

Die folgende biographische Skizze stammt aus dem Buch "Ohne Glanz und Gloria - Die Bundeswehr - Bilanz einer neurotischen Armee", Seite 334 ff

Flottillenadmiral Elmar SchmÀhling: eine biographische Skizze

Warum sind Sie ĂŒberhaupt Soldat geworden, ist eine in den letzten Jahren hĂ€ufig an mich gestellte Frage.

Meine Antwort: Nach dem Abitur wollte ich zur Marine. Daß ein Marineoffizier auch Soldat ist, habe ich in Kauf genommen. TatsĂ€chlich hatte ich mich nach dem Abitur zunĂ€chst bei der Handelsmarine beworben. FĂŒr die KapitĂ€nslaufbahn war ich damals mit zwanzig Jahren aber schon zu alt. Meine Liebe galt von je her dem Meer, das ich vor meiner Bewerbung fĂŒr die Offizierlaufbahn der Marine nur von Bildern kannte. So hat mich dann auch ab 1. September 1957 die Ausbildung und der Dienst auf dem Wasser und am Wasser sehr befriedigt. Allerdings hatte ich viel GlĂŒck. Ungewöhnlich fĂŒr einen Seemann einer kleinen KĂŒstenmarine traf fĂŒr mich zu, was fĂŒr die meisten deutschen »Mariner« zum Werbeschwindel gerinnt: »Mehr erleben, das Meer erleben« Der grĂ¶ĂŸere Teil der Matrosen der Bundesmarine sitzt nĂ€mlich »an Land«, Ich erlebte alle sieben Meere und besuchte HĂ€fen auf vier der fĂŒnf Kontinente. Als OffizierschĂŒler machte ich die praktische Bordausbildung wĂ€hrend einer neunmonatigen Weltreise auf dem französischen Schulkreuzer »Jeanne d'Arc« mit. Ausgedehnte Reisen folgten auf den deutschen Schulfregatten »Hipper« und »Graf Spee«, auf denen ich als Kadettenausbilder eingesetzt war. Mein letztes Bordkommando absolvierte ich auf dem »Zerstörer 4« als Erster Offizier.

Als exotisches Intermezzo bot mir die Marine die einjĂ€hrige Erfahrung und Erweiterung meines fachlichen, politischen und menschlichen Horizonts beim Aufbau der madegassischen KĂŒstenpolizei und bei der Ausbildungder Besatzung von fĂŒnf KĂŒstenwachbooten, einem Geschenk der BRD. Eine faszinierende und herausfordernde Aufgabe fĂŒr einen Oberleutnant zur See. Fast ein halbes Jahr davon leitete ich ein deutsches Ausbildungsteam auf dieser wundersamen Insel Madagaskar

Die zweijĂ€hrige Ausbildung zum Admiralstabsoffizier an der FĂŒhrungsakademie in Hamburg fĂŒhrte mich zum ersten Mal mit Offizieren der Luftwaffe und des Heeres zusammen. Zu meiner Überraschung waren das – ĂŒberwiegend - ganz vernĂŒnftige Menschen. Die in Feldgrau waren vielleicht etwas verklemmt, nicht wenige verbissen auf Karriere und Aufstieg um jeden Preis fixiert, die blaugrauen Kameraden der Luftwaffe dagegen wesentlich lockerer. Und beim turbulenten Durchzechen ganzer NĂ€chte waren sie von niemandem zu schlagen, auch nicht von der damals noch trinkfesten Marine.

Die Hamburger Jahre, frei von hektischer Besinnungslosigkeit des tĂ€glichen Dienstes an Bord, gaben mir viel Zeit zum Nachdenken, Verstehen und Streiten. In der Idylle der Blankeneser FĂŒhrungsakademie zur Förderung neudeutscher »MilitĂ€rkuItur« (Willy Berkhahn, frĂŒherer StaatssekretĂ€r im Verteidigungsministerium und Wehrbeauftragter des Deutschen Bundestages, glaubte in diesem GelĂ€nde »hinter dem Bahndamm« eine Schlangengrube ausmachen zu können!) entstanden meine AufsĂ€tze zum »AnredeerlaĂŸÂ«, zum Bordzerernoniell und ĂŒber den Dienst der Matrosen an Bord von Schiffen und Booten der Bundesmarine,

 

Meine ersten Versuche, den »StaatsbĂŒrger in Uniform«, dieses unbekannte Wesen, in die Praxis umzusetzen, brachten mir auch den ersten richtigen Ärger ein, Um ein Haar wĂ€re die Versetzung als Erster Offizier auf »Zerstörer 4«, eine Verwendung, auf die ich mich wirklich freute, rĂŒckgĂ€ngig gemacht worden, Warum dieser Abschnitt meiner Marinelaufbahn dann bereits nach einem Jahr - mehr oder weniger als Rausschmiß - endete, habe ich in Kapitel VI dokumentiert. Jedenfalls war der 1. Oktober 1972 eine wichtige ZĂ€sur: Ende der Seefahrt, Abschied von der »schwimmenden Marine«, das Aus fĂŒr den Traum vorn selbstĂ€ndigen Kommando als Kommandant eines Schiffes (was ich anfangs noch nicht so klar erkannte).

Aber ein Admiralstabsoffizier - das gilt auch fĂŒr die privilegierten Generalstabsofiziere - »verkommt« so schnell nicht. Zwar ist die Versetzung in den sogenannten Zentralen MilitĂ€rischen Bereich (ZMiIDBw), einer Art vierter Teilstreitkraft neben Heer Luftwaffe und Marine, aus der Sicht der Marine ein Abstieg Aber - wie gesagt - als Admiralstabsoffizier ist es eben ein Abstieg erster Klasse. Das heißt, auch im ZMiIDBw können Offiziere mit den karmesinroten Kragenspiegeln (die Marine verzichtet auf eine besondere Kennzeichnung der Offiziere, die »gleicher« als die gewöhnlichen Truppenoffiziere sind, man kennt sich auch so) noch etwas werden.

In meiner ersten Verwendung im »MilitĂ€rischen Abschirmdienst« als FĂŒhrungsgehilfe eines MAD-Gruppenkommandeurs habe ich mich neugierig aber unbedarft und noch wenig kritisch umgesehen. Ich befand mich in einem völligen Neuland. Gewiß war der Einblick in die romantisch verklĂ€rte Welt der Geheimdienste zu Anfang spannend. Aber die RealitĂ€t der eher banalen und unsensiblen, im ĂŒbrigen auch ineffizienten Arbeitsweise dieser Behörde erwies sich als ernĂŒchternd.

 

In dieser Phase um 1975 passierte das erste »Wunder« meiner Laufbahn. Nicht obwohl, sondern gerade weil ich mich in der Öffentlichkeit kritisch mit militĂ€rberuflichen Fragen auseinandergesetzt hatte, erregte ich das Interesse eines Offiziers der Personalabteilung Es war der damalige Leiter des Referats fĂŒr personelle Grundsatzfragen im BMVg, Oberst im Generalstab Dr. von Krosigk, einer der GlĂŒcksfĂ€lle fĂŒr die Bundeswehr, der auch zu meinem GlĂŒcksfall wurde. Weil ich »schreiben konnte« - wie er meinte-, schien ich der richtige Nachfolger fĂŒr einen anderen Marineoffizier in der Personalabteilung zu sein, der die Bundeswehr verließ; ein hochqualifizierter Offizier, dessen KreativitĂ€t und Leistungsbereitschaft im trĂ€gen RĂ€derwerk der MilitĂ€rbĂŒrokratie zerrieben worden war. Konsequent wechselte er auf einen Posten mit wesentlich höherem Anspruch und wesentlich höherer Verantwortung in der Privatwirtschaft

 

Überhaupt traf ich in der Personalabteilung eine ideale Konstellation an. Mit Dr. von Krosigk, seinem Vorgesetzten, Brigadegeneral Dr. Kinder, und dem Abteilungsleiter Ministerialdirektor Dr. Schaefgen stieß ich auf zwei Offiziere und einen Beamten, bei denen allein Leistung zĂ€hlte. Sie erwarteten offene Kritik und nicht - wie es in den FĂŒhrungsstĂ€ben ĂŒblich war - vorauseilenden Gehorsam, in zackiger Haltung und schneidig-schnarrendem Kommandoton vorgetragen. In den vier Jahren vertrauensvoller Zusam-menarbeit mit diesem Trio reifte das zweite Wunder meiner Karriere. Der oberste Personalmanager der Bundeswehr faßte den Plan, mich als Amtschef des Amtes fĂŒr Sicherheit und damit als Chef des MAD aufzubauen.

Immer wieder war der MilitĂ€rische Abschirmdienst negativ in Erscheinung getreten. Kaum reglementiert, unzureichend kontrolliert, von den Soldaten, die Aufstiegschancen woanders sahen gemieden und belĂ€chelt, war er stets ein Sammelbecken fĂŒr EnttĂ€uschte, Sonderlinge und mĂ€ĂŸig Begabte. Der geheime Nachrichtendienst der Bundeswehr ist somit ein idealer NĂ€hrboden fĂŒr allerlei menschlichen Unrat: Das Ausleben von Eitelkeit, Klatsch und Intrigen, das heißt Fehlgriffe wie die im Zusammenhang mit der »Wörner/Kießling-AffĂ€re« sind daher geradezu systembedingt Nach einer kurzen Zwischenverwendung als Abteilungsleiter wurde ich schließlich am 1. Februar 1982 zum damals jĂŒngsten Admiral der Bundeswehr befördert. Dies wiederum kam meinen Marinekameraden nach all dem, was sie ĂŒber mich wußten oder zu wissen glaubten, wie ein Wunder vor. FĂŒr sie gab es nur eine plausible ErklĂ€rung: Vitamin P, Pwie Protektion. Klarer Fall: Der »Genosse« SchmĂ€hling wurde vorn »Genossen« Dr. Schaefgen vorgeschlagen und vom »Genossen« Apel zum Flottillenadmiral befördert.

Zwar habe ich es nie als ehrenrĂŒhrig empfunden, fĂ€lschlich - auch gegen besseres Wissen vorn damaligen Verteidigungsminister Scholz im Fernsehen als Mitglied da SPD bezeichnet zu werden. Es störte mich aber, daß Parteiprotektion als die einzige ErklĂ€rung fĂŒr meinen Aufstieg herhalten mußte. Meine Mitgliedschaft in dieser Partei, die ich im ĂŒbrigen sehr achte, wurde so oft und so erfolgreich öffentlich behauptet, daß ich bis heute verzweifelt in allen möglichen SPD-Mitgliederkarteien gesucht werde (vielleicht sollte ich jetzt der Einfachheit halber der SPD beitreten).

Nach der Wende schien ich auch der neuen politischen FĂŒhrungsmannschaft auf der Hardthöhe wegen des falschen Stallgeruchs nicht der rechte Amtsinhaber zu sein. Da die Chefs der geheimen Nachrichtendienste alIerlei Einblick in die Regierungsarbeit (hĂ€ufig genug mit Parteiarbeit verquickt) erhalten und die Nachrichtendienste vonPolitikern gern fĂŒr »sachfremde Dienstleistungen« in Anspruch genommen werden, hat man an ihrer Spitze lieber MĂ€nner, die einem verpflichtet sind. So war das Ende dieser Verwendung absehbar. Den Anlaßmeiner Ablösung habe ich allerdings dem damaligen Parlamentarischen StaatssekretĂ€r selbst geliefert. Aus seinem Dunstkreis wurde keine Sekunde gezögert, eine Privatangelegenheit ĂŒber die Welt in die Öffentlichkeit zu lancieren. So blieb mir versagt, eine personelle Erneuerung und damit eine durchgreifendeReform dieses Dienstes zu vollenden.

Als ĂŒber meine Anschlußverwendung als Amtschef des »Amtes fĂŒr Studien und Übungen der Bundeswehr« entschieden wurde, war dieser Posten noch besetzt. Aus diesem Grund fiel mir das GlĂŒckin den Schoß, ein Jahr lang an der »Stiftung Wissenschaft und Politik« zu hospitieren. Die kurze Zeit in Ebenhausen bei MĂŒnchen reichte aus, mich in den Bann der Sicherheitspolitik zu ziehen. Von da an und wĂ€hrend der fĂŒnf Jahre im Bundeswehr-Studienamt beschĂ€ftigte ich mich intensiv mit den Grundlagen der Sicherheit und Verteidigung der BRD und der NATO

Das, was ich durch meine Einblicke an Erkenntnis ĂŒber die möglichen Konsequenzen des »Verteidigungfalles« gewann - als Leiter des Leitungsstabes der grĂ¶ĂŸten NATO-Übung »WINTEX-CIMEX" nahm ich dreimal an allen Phasen des »gespielten Ost-West-Krieges« und zweimal an der Vorbereitung und DurchfĂŒhrung des Nuklearwaffeneinsatzes teil - beunruhigte mich zunehmend immer mehr. Ich richtete ausfĂŒhrliche Denkschriften an den FĂŒhrungsstab der StreitkrĂ€fte, an den StaatssekretĂ€r und Minister. Reaktion: hinhaltende Abwiegelung nach dem Motto: Wir wissen alles (besser], wir tun alles, was nötig und möglich ist.

An meine Überzeugung ĂŒber das Konzept des »StaatsbĂŒrgers in Uniform< anknĂŒpfend, brachte ich meine Überlegungen und Vorstellungen ĂŒber eine dringend notwendige Reform unserer Sicherheitspolitik in VortrĂ€gen und AufsĂ€tzen auch an die Öffentlichkeit. Im FrĂŒhjahr 1990 veröffentlichte ich meine Kritik an der NATO-Strategie und VorschlĂ€ge zur Überwindung der ĂŒberholten Verteidigungsstrukturen in dem Buch "Der unmögliche Krieg".