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Roberto Blanco

Dt. SchlagersÀnger kubanischer Herkunft

Die PopularitĂ€t des einstigen US-PrĂ€sidenten John F. Kennedy grĂŒndet sich nicht allein auf historische AussprĂŒche wie „Ich bin ein Berliner“ (1960 zur Berliner Bevölkerung) oder „Wer ist denn der komische Typ da mit der Knarre hinter der Hecke?“ (1963 in Dallas zum Ratlosigkeit heuchelnden Lyndon B. Johnson); auch als er ein Jahr zuvor das kommunistische Sturmduo Chruschtschow und Castro davor warnte, auf Kuba stationierte Mittelstreckenwaffen gen Westen zu richten, bewies JFK eine gar Ehrfurcht gebietende Weitsicht. Die Kubakrise konnte bald darauf in die GeschichtsbĂŒcher verbannt werden. Einem in seiner GefĂ€hrlichkeit nicht zu unterschĂ€tzenden BlindgĂ€nger aus dem kubanischen Waffenarsenal gelang dennoch der Einschlag in westliches Territorium, schlimmer noch: in Deutschland.

Roberto Blanco, nach amtlichem Gutachten nicht zu entschĂ€rfende Stimmungskanone, hat mit seiner explosiven Mischung aus deutschem Schlager und lateinamerikanischem HĂŒftschwung einen gar furchtbaren Krater in der Tannenschonung der heimischen Kulturlandschaft hinterlassen. Bombensplitter des Blancoschen Machwerkes sind mittels mehrerer Welttourneen bereits in Kanada, Brasilien, Australien, Japan, Hongkong, Singapur und Thailand niedergegangen. Dort wussten die verdutzten Zuhörer ĂŒberhaupt nicht wie ihnen geschah, als der in Tunis geborene, farbenfrohe Kubaner, angekĂŒndigt als deutsches Exportgut Nr. 1, auf die BĂŒhne sprang und auch noch einen „Puppenspieler aus Mexiko“ in die Mangel nahm; im ĂŒbrigen liegen zumindest aus den asiatischen Abwurfgebieten stichhaltige Beweise dafĂŒr vor, daß Teile des Publikums nur unter Androhung staatlicher Repressalien zum Besuch eines Blancokonzertes gebeten werden konnten.

Zuvor verbrachte Blanco seine Jugend in einem Internat in Beirut. Auch Hardliner innerhalb seiner Fangemeinde haben inzwischen Einsicht walten lassen und behaupten nicht lĂ€nger, daß seine hormonelle AufrĂŒstung in der libanesischen Hauptstadt in irgendeiner Weise konflikthemmend auf den Nahen Osten eingewirkt hĂ€tte. Als der braunbrĂŒstige Barde im praktischen Jahr seines Medizinstudiums an der Uni Madrid in Vertretung eines AnĂ€sthesisten einen Herzpatienten in den klinischen Tod sang („Ein bißchen Spaß muß sein“), platzte auch dieser Traum wie eine poröse Blutkonserve.

Aus zunehmendem Mangel an Alternativen mußte Blanco einfach Entertainer werden. 1957 nahm er im Rahmen der Frankfurter Funkausstellung an einem Gesangswettbewerb teil und wurde unter 1800 Bewerbern zum Sieger verklĂ€rt: der endgĂŒltige Startschuss zu einer der erfolgreichsten Karrieren im deutschen ShowgeschĂ€ft. Blanco sicherte sich einen dauerhaften Platz im TV-Business und erreicht –wie der 1. Vorsitzende des Roberto-Blanco-Fanclubs Königs Wusterhausen nicht ohne Stolz verkĂŒndet– mittlerweile einen Bekanntheitsgrad von knapp 130%.

An dieser zweiten Kubakrise hat ein weiteres Mal auch Herr Heck tatkrĂ€ftig mitgewirkt, der die Blanco-Bombe mit unzĂ€hligen Auftritten im ZDF-SchĂŒtzengraben „Hitparade“ erst richtig scharf machte. Seitdem gehört Blanco zu den begehrtesten Musikinterpreten, ist der immer fröhliche Gastgeber immer fröhlicher Schlagershows mit immer fröhlichen GĂ€sten und mit Ausnahme von „Löwenzahn“ und „Mona Lisa“ selbst schon in jeder Sendung dabeigewesen. Jetzt kann er alles perfekt und zur gleichen Zeit: singen, tanzen und ein Publikum im Chor dirigieren.

Und das Ende vom Schlager als missratenster Ausgeburt des Liedes ist die deprimierende Gewissheit, daß diese Bombe weitertickt...