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Richard Wagner: Die Revolution.
8. April 1849

Sehen wir hinaus ĂŒber die LĂ€nder und Völker, so erkennen wir ĂŒberall durch ganz Europa das GĂ€hren einer gewaltigen Bewegung, deren erste Schwingungen uns bereits erfaßt haben, deren volle Wucht bald ĂŒber uns hereinzubrechen droht. Wie ein ungeheurer Vulkan erscheint uns Europa, aus dessen Innerem ein bestĂ€ndig wachsendes, beĂ€ngstigendes Gebrause ertönt, aus dessen Krater dunkle, gewitterschwangere RauchsĂ€ulen hoch zum Himmel empor steigen und, Alles rings mit Nacht bedeckend, sich ĂŒber die Erde lagern, wĂ€hrend bereits einzelne Lavaströme, die harte Kruste durchbrechend, als feurige Vorboten, Alles zerstörend sich ins Thal hinabwĂ€lzen.

Eine ĂŒbernatĂŒrliche Kraft scheint unsern Welttheil erfassen, aus dem alten Gleise herausheben und in eine neue Bahn schleudern zu wollen. Ja, wir erkennen es, die alte Welt, sie geht in TrĂŒmmer, eine neue wird aus ihr erstehen, denn [I3]die erhabene Göttin Revolution, sie kommt daher gebraust auf den FlĂŒgeln der StĂŒrme, das hehre Haupt von Blitzen umstrahlt, das Schwert in der Rechten, die Fackel in der Linken, das Auge so finster, so strafend, so kalt, und doch, welche Glut der reinsten Liebe, welche FĂŒlle des GlĂŒckes strahlt Dem daraus entgegen, der es wagt mit festem Blicke hinein zu schauen in dies dunkle Auge! Sie kommt daher gebraust, die ewig verjĂŒngende Mutter der Menschheit, vernichtend und beseeligend fĂ€hrt sie dahin ĂŒber die Erde, und vor ihr her saust der Sturm und rĂŒttelt so gewaltig an allem von Menschen GefĂŒgten, daß mĂ€chtige Wolken des Staubes verfinsternd die LĂŒfte erfĂŒllen, und wohin ihr mĂ€chtiger Fuß tritt, da stĂŒrzt in TrĂŒmmer das in eitlem Wahne fĂŒr Jahrtausende Erbaute, und der Saum ihres Gewandes streift die letzten Überreste hinweg! Doch hinter ihr, da eröffnet sich uns, von lieblichen Sonnenstrahlen erhellt, ein nie geahntes Paradies des GlĂŒckes, und wo ihr Fuß vernichtend geweilt, da entsprossen duftende Blumen dem Boden und frohlockende JubelgesĂ€nge der befreiten Menschheit erfĂŒllen die noch vom Kampfgetöse erregten LĂŒfte!

Nun blickt hier unten um Euch her. Da seht Ihr den Einen, den mĂ€chtigen FĂŒrsten, wie er mit Ă€ngstlich klopfendem Herzen, mit stockendem Athem dennoch eine ruhige, kalte Miene zu erheucheln und sich selbst und Andern wegzuleugnen sucht, was er doch klar erkennt als unabwendbar. Da seht Ihr den Andern, mit dem von allen Lastern durchfurchten ledernen Antlitz, wie er mit emsiger ThĂ€tigkeit all seine kleinen GaunerkĂŒnste, die ihm so manches Titelchen, so manches Ordenskreuzlein eingebracht, auskramt und spielen lĂ€ĂŸt, wie er mit diplomatisch-lĂ€chelnder, geheimnißvoller Miene den Ă€ngstlich zum RiechflĂ€schchen greifenden DĂ€mchen und zĂ€hneklappernden Junkerchen Beruhigung einzuflĂ¶ĂŸen sucht durch die halboffizielle Mittheilung: daß höchstgestellte Personen dieser fremdartigen Erscheinung Couriere mit Cabinetsbefehlen nach verschiedenen Seiten abgegangen, daß selbst das Gutachten des weisen RegierungskĂŒnstlers Metternich von London unterwegs sei, daß die betreffenden Behörden rings umher Instruktionen erhalten haben, und somit der hochgebornen Gesellschaft die interessante Überraschung vorbereitet wird, beim nĂ€chsten Hofballe diese gefĂŒrchtete Landstreicherin, Revolution, - natĂŒrlich im eisernen KĂ€fig mit Ketten beladen, - in genauen Augenschein nehmen zu können. - Dort seht ihr den Dritten, wie er spekulierend das Nahen der Erscheinung beobachtet, auf die Böse lĂ€uft, bemißt und berechnet das Steigen und Fallen der Papierchen, und schachert und feilscht, und immer noch ein Procentchen zu erhalten strebt, bis mit Einemmale sein ganzer Plunder in die LĂŒfte zerstĂ€ubt. Da seht ihr hinter dem verstaubten Aktentische eins der eingetrockneten, verrosteten RĂ€der unserer jetzigen Staatsmaschine kauern, wie es seine alte, abgestumpfte Feder ĂŒber das Papier kratzen lĂ€ĂŸt, und fort und fort den alten Haufen der papierenen Weltordnung zu vermehren strebt. Wie getrocknete Pflantzen liegen zwischen diesen StĂ¶ĂŸen von Dokumenten und VertrĂ€gen die Herzen der lebendigen Menschheit und verdorren zu Staub in diesen modernen Folterkammern. Dort herrscht gewaltige Emsigkeit, denn das ĂŒber die LĂ€nder gesponnene Netz ist an manchen Stellen zerrissen, und die ĂŒberraschten Kreuzspinnen, sie drehen und weben neue FĂ€den durcheinander, um das Gelockerte wieder zu festigen. Dort dringt kein Strahl des Lichtes hinein, dort herrscht ewige Nacht und Finsterniß, und in Nacht und Finsterniß wird das Ganze spurlos versinken. - Von jener Seite aber, da klingt helle kriegerische Musik, es blitzen Schwerter und Bajonette, schwere Kanonen rasseln herbei und dichtgedrĂ€ngt wĂ€lzen sich die langen Reihen der Heere heran. Die tapfere Heldenschaar, sie ist ausgezogen, den Strauß zu bestehen mit der Revolution. Der Feldherr lĂ€ĂŸt marschiren rechts und links, und stellt dahin die JĂ€ger, dorthin die Reiterei, und vertheilt nach weisem Plane die langen HeeressĂ€ulen und die zerschmetternde Artillerie; und die Revolution, das Haupt hoch in den Wolken, kommt herangeschritten, - und sie sehen sie nicht und warten auf den Feind; und sie steht schon in ihrer Mitte, - und sie sehen sie nicht, und warten auf den Feind; und sie hat sie erfaßt mit ihrem gewaltigen Sturmwirbel und aufgelöst die Reihen und zerstĂ€ubt die kĂŒnstlich erstohlene Kraft, - und der Feldherr, er sitzt da, auf die Landkarte schauend und berechnend, von welcher Seite der Feind wohl zu erwarten und wie stark er sei, und wann er kommen werde! - Dort aber seht Ihr ein Ă€ngstlich bekĂŒmmertes Gesicht: ein ehrlicher, fleißiger BĂŒrger ist's. Er hat gestrebt und gewirkt sein Lebelang, er hat redlich gesorgt fĂŒr das Wohl Aller, so weit seine Kraft reichte; keine ThrĂ€ne, kein Unrecht haftet an dem Scherflein, welches seine nĂŒtzliche ThĂ€tigkeit erworben, ihm zum Unterhalt im schwachen Alter, den Seinen zum Eintritt in das freundlose Leben. Wohl fĂŒhlte er das Nahen des Sturmes, wohl erkennt er, daß keine Kraft ihm zu wehren vermag, doch jammert sein Herz, blickt er zurĂŒck auf sein kummervolles Dasein, dessen einzige Frucht nun der Vernichtung geweiht ist. Nicht verdammen dĂŒrfen wir ihn, klammert er sich Ă€ngstlich an seinen Schatz, strĂ€ubt er im blinden Eifer sich mit allen KrĂ€ften erfolglos gegen das Hereinbrechende. Du UnglĂŒcklicher! erhebe das Auge, blicke auf dorthin, wo auf den HĂŒgeln Tausende und Tausende versammelt, die voll freudiger Spannung der neuen Sonne entgegenharren! Betrachte sie, es sind deine BrĂŒder, deine Schwestern, es sind die Schaaren jener Armen, jener Elenden, die bisher vom Leben nichts gekannt als das Leiden, die Fremdlinge waren auf dieser Erde der Freude; sie Alle erwarten die Revolution, die dich Ă€ngstigt, als ihre Erlöserin aus dieser Welt des Jammers, als die Schöpferin einer neuen, fĂŒrAlle beglĂŒckende Welt! Sieh hin, dort strömen Schaaren heraus aus den Fabriken; sie haben geschafft und erzeugt die herrlichsten Stoffe, - sie selbst und ihre Kinder sind nackt, sie frieren und hungern, denn nicht ihnen gehört die Frucht ihrer Arbeit, dem Reichen und MĂ€chtigen gehört sie, der die Menschen und die Erde sein eigen nennt. Sieh, dort ziehen sie heran, von den Dörfern und Gehöften; sie haben die Erde bebaut, und zum freundlichen Garten umgeschaffen, und FĂŒlle der FrĂŒchte, genĂŒgend fĂŒr Alle, die da leben, lohnte ihr MĂŒhen, - doch sind sie arm und nackt und hungern, denn nicht ihnen und den Andern, die da bedĂŒrftig sind, gehört der Segen der Erde, allein dem Reichen und MĂ€chtigen gehört er, der die Menschen und die Erde sein eigen nennt. Sie Alle, die Hunderttausende, die Millionen, sid lagern auf den Höhen und blicken hinaus in die Ferne, wo die wachsende Wolke das Nahen der befreiende Revolution verkĂŒndet, und sie Alle, denen Nichts zu bedauern bleibt, denen man selbst die Söhne raubt, um sie zu tapfern Kerkermeistern ihrer VĂ€ter zu erziehen, deren Töchter mit Schande beladen die Straßen der StĂ€dte durchwandeln, ein Opfer der niedrigen LĂŒste des Reichen und MĂ€chtigen, sie Alle mit den bleichen, gramdurchfurchten Gesichtern, den von Hunger und Frost verzehrten Gliedern, sie Alle, die nie die Freude kannten, sie lagern dort auf den Höhen, und bebend vor wonnevoller Erwartung schauen sie mit angestrengtem Blicke der nahenden Erscheinung entgegen, und lauschen in lautloser EntzĂŒckung dem Brausen des anschwellenden Sturmes, der ihrem Ohre entgegentrĂ€gt den Gruß der Revolution: [N2]

«Ich bin das ewig verjĂŒngende, das ewig schaffende Leben! wo ich nicht bin, da ist der Tod! Ich bin der Traum, der Trost, die Hoffnung des Leidenden! Ich vernichte was besteht, und wohin ich wandle, da entquillt neues Leben den todten Gestein. Ich komme zu Euch, um zu zerbrechen alle Ketten, die Euch bedrĂŒcken, um Euch zu erlösen aus der Umarmung des Todes, und ein junges Leben durch euere Glieder zu ergießen. Alles, was besteht, muß untergehen, [N3] das ist das ewige Gesetz der Natur, das ist die Bedingung des Lebens, und ich, die ewig Zerstörende, vollfĂŒhre das Gesetz, und schaffe das ewig junge Leben. Ich will zerstören von Grund aus die Ordnung der Dinge, in der Ihr lebt, denn sie ist entsproßen der SĂŒnde, ihre BlĂŒthe ist das Elend und ihre Frucht das Verbrechen; die Saat aber ist gereift und der Schnitter bin ich. [I2] Ich will zerstören jeden Wahn, der Gewalt hat ĂŒber den Menschen. Ich will zerstören die Herrschaft des Einen ĂŒber die Andern, der Todten ĂŒber die Lebendigen, des Stoffes ĂŒber den Geist; ich will zerbrechen die Gewalt der MĂ€chtigen, des Gesetzes und des Eigenthums. [I1] Der eigne Wille sei der Herr des Menschen, die eigne Lust sein einzig Gesetz, die eigne Kraft sein ganzes Eigenthum, denn das Heilige ist allein der freie Mensch, und nichts Höheres ist denn Er. Vernichtet sei der Wahn, der Einem Gewalt giebt ĂŒber Millionen, der Millionen unterthan macht dem Willen eines Einzigen, der Wahn, der da lehrt: der Eine habe die Kraft die Andern alle zu beglĂŒcken. Das Gleiche darf nicht herrschen ĂŒber das Gleiche, das Gleiche hat nicht höhere Kraft denn das Gleiche, und da Ihr Alle gleich,so will ich zerstören jegliche Herrschaft des Einen ĂŒber denAndern.

Vernichtet sei der Wahn, der dem Tode Gewalt giebt ĂŒber das Leben, der Vergangenheit ĂŒber die Zukunft. Das Gesetz der Todten, das ist ihr eigen Gesetz, es theilt ihr Loos und stirbt mit ihnen, es darf nicht herrschen ĂŒber das Leben. Das Leben ist sich selbst sein Gesetz. Und weil das Gesetz fĂŒr die Lebendigen ist und nicht fĂŒr die Todten, und weil Ihr lebendig seid und Keiner ist, der ĂŒber Euch wĂ€re, so seid Ihr selbst das Gesetz, so ist Euer eigner freier Wille das einzige höchste Gesetz, und ich will zerstören die Herrschaft des Todes ĂŒber das Leben.

Vernichtet sei der Wahn, der den Menschen unterthan macht seinem eignen Werke, dem Eigenthume. Das höchste Gut des Menschen ist seine schaffende Kraft, das ist der Quell, dem ewig alles GlĂŒck entspringt, und nicht im Erzeugten, im Erzeugen selbst, im BethĂ€tigen eurer Kraft liegt euer wahrer höchster Genuß. Des Menschen Werk, es ist leblos, das Lebendige darf sich nicht dem Leblosen verbinden, darf sich nicht ihm unterthan machen. Darum sei vernichtet der Wahn, der den Genuß beschrĂ€nkt, die freie Kraft hemmt, der das Eigenthum schafft außer dem Menschen und ihn zum Knechte macht seines eignen Werkes.

Blickt hin, ihr UnglĂŒcklichen, auf jene gesegneten Fluren, die Ihr jetzt als Knechte, als Fremdlinge durchstreift. Frei sollt Ihr auf ihnen wandeln, frei vom Joche der Lebendigen, frei von den Fesseln der Todten. Was die Natur geschaffen, die Menschen bebaut und zu fruchttragenden GĂ€rten umgewandelt, es gehört den Menschen, den BedĂŒrftigen, und Keiner darf kommen und sagen: "Mir allein gehört dies Alles, und ihr Andern Alle seid nur GĂ€ste, die ich dulde, so lange es mir gefĂ€llt und sie mir zinsen, und die ich verjage, sobald mich die Lust treibt. Mir gehört, was die Natur geschaffen, der Mensch gewirkt und der Lebendige bedarf." Vernichtet sei diese LĂŒge, nur dem BedĂŒrfnisse allein gehört, was es befriedigt, und im Überfluß bietet solches die Natur und Euere eigne Kraft. Seht dort die HĂ€user in den StĂ€dten, und Alles was den Menschen vergnĂŒgt und erfreut, woran Ihr als Fremdlinge vorĂŒberwandeln mĂŒĂŸt; des Menschen Geist und Kraft hat es geschaffen, und darum gehört es den Menschen, den Lebendigen, und nicht Einer darf da kommen und sagen: "Mir gehört Alles, was die Menschen geschaffen mit ihrem Fleiße. Ich allein habe ein Recht darauf und die Andern genießen nur, so weit es mir beliebt und sie mir zinsen." Zerstört sei diese LĂŒge mit den andern; denn was der Menschheit Kraft geschaffen, das gehört der Menschheit zum freien unbeschrĂ€nkten Genusse, wie alles Andere auch was da ist auf Erden.

Zerstören will ich die bestehende Ordnung der Dinge, welche die einige Menschheit in feindliche Völker, in MĂ€chtige und Schwache, in Berechtigte und Rechtlose, in Reiche und Arme theilt, denn sie macht aus Allen nur UnglĂŒckliche. Zerstören will ich die Ordnung der Dinge, die Millionen zu Sclaven von Wenigen, und diese Wenigen zu Sclaven ihrer eignen Macht, ihres eignen Reichthumes macht. Zerstören will ich diese Ordnung der Dinge, die den Genuß trennt von der Arbeit, die aus der Arbeit eine Last, aus dem Genusse ein Laster macht, die einen Menschen elend macht durch den Mangel, und den andern durch den Überfluß. Zerstören will ich diese Ordnung der Dinge, welche die KrĂ€fte der Menschen verzehrt im Dienste der Herrschaft der Todten, des leblosen Stoffes, welche die HĂ€lfte der Menschen in Thatlosigkeit oder nutzloser ThĂ€tigkeit erhĂ€lt, die Hunderttausende zwingt, ihre krĂ€ftige Jugend in geschĂ€ftigem MĂŒssiggange als Soldaten, Beamte, Spekulanten und Geldfabrikanten der Erhaltung dieser verworfenen ZustĂ€nde zu weihen, wĂ€hrend die andere HĂ€lfte durch ĂŒbermĂ€ĂŸige Anstrengung ihrer KrĂ€fte und Aufopferung jedes Lebensgenusses das ganze SchandgebĂ€ude erhalten muß. Zerstören bis auf die Erinnerung daran will ich jede Spur dieser wahnwitzigen Ordnung der Dinge, die zusammengefĂŒgt ist aus Gewalt, LĂŒge, Sorge, Heuchelei, Noth, Jammer, Leiden, ThrĂ€nen, Betrug und Verbrechen, und der nur selten zuweilen ein Strom unreiner Lust, fast nie aber ein Strahl reiner Freude entquillt. Zerstört sei Alles, was Euch bedrĂŒckt und leiden macht, und aus den TrĂŒmmern dieser alten Welt erstehe eine neue, voll nie geahnten GlĂŒckes. Nicht Haß, nicht Neid, nicht Mißgunst und Feindschaft sei fortan unter Euch, als BrĂŒder sollt Ihr Alle, die Ihr da lebt, Euch erkennen, und frei, frei im Wollen, frei im Thun, frei im Genießen, sollt Ihr den Werth des Lebens erkennen. Darum auf, ihr Völker der Erde! auf, ihr Klagenden, ihr GedrĂŒckten, ihr Armen! auf, auch Ihr Andern, die Ihr mit eitlem Glanze der Macht und des Reichthumes vergeblich die innere Trostlosigkeit Eures Herzens zu umkleiden strebt! auf! folgt in buntem Gemische meiner Spur, denn keinen Unterschied weiß ich zu machen unter denen, so mir folgen. Nur zwei Völker noch giebt es von jetzt an: Das Eine, welches mir folgt, das Andere, welches mir widerstrebt. Das Eine fĂŒhre ich zum GlĂŒcke, ĂŒber das Andere schreite ich zermalmend hinweg, denn ich bin die Revolution, ich bin das ewig schaffende Leben, ich bin der einige Gott, den alle Wesen erkennen, der Alles, was ist, umfaßt, belebt und beglĂŒckt!» [N4]

Und seht, die Schaaren auf den HĂŒgeln, sie liegen lautlos auf den Knieen, sie lauschen in stummer VerzĂŒckung, und wie der sonnverbrannte Boden die kĂŒhlenden Tropfen des Regens, so saugt ihr vom heißen Jammer verdorrtes Herz die Laute des brausenden Sturmes ein, und neues Leben quillt durch ihre Adern. NĂ€her und nĂ€her wĂ€lzt sich der Sturm, auf seinen FlĂŒgeln die Revolution; weit öffnen sich die wiedererweckten Herzen der zum Leben Erwachten, und siegreich zieht ein die Revolution in ihr Gehirn, in ihr Gebein, in ihr Fleisch, und erfĂŒllt sie ganz und gar. In göttlicher VerzĂŒckung springen sie auf von der Erde, nicht die Armen, die Hungernden, die vom Elende Gebeugten sind sie mehr, stolz erhebt sich ihre Gestalt, Begeisterung strahlt von ihrem vereitelten Antlitz, ein leuchtender Glanz entströmt ihrem Auge und mit dem himmelerschĂŒtternden Rufe: ich bin ein Mensch! stĂŒrzen sich die Millionen, die lebendige Revolution, der Mensch gewordene Gott, hinab in die ThĂ€ler und Ebenen, und verkĂŒnden der ganzen Welt das neue Evangelium des GlĂŒckes!

Anmerkungen:

[1] Wie knapp Wagner der Verhaftung entging, wird verdeutlicht durch die Tatsache, daß Wagner zusammen mit dem russischen Anarchisten Mikhail Bakunin und anderen floh. Als sie in Chemnitz ankamen, fuhren sie in verschiedenen Kutschen und kehrten in verschiedenen Herbergen ein. Bakunin und zwei von Wagners anderen Freunden wurden im Schlaf verhaftet - Wagner entkam nach Weimar. Genau wie Röckel wurde Bakunin zum Tode verurteilt, begnadigt und sie saßen einige Jahre im GefĂ€ngnis in Österreich und Rußland. Bakunin wurde 1857 entlassen, um in Sibirien zu leben. 1861 floh er aus Rußland und kehrte nach Europa zurĂŒck, um seine politischen AktivitĂ€ten wiederaufzunehmen.

[2] Absatz und "«" hinzugefĂŒgt von KE. In Wagners Original ist kein Absatz an dieser Stelle. Um klarzumachen, daß von hier bis [N4] ein Abschnitt des Textes ist, der von der Revolution "gesprochen" wird, wurden der Absatz und "«" hinzugefĂŒgt.

[3] vgl. "Alles, was ist, endet"; Erda im Rheingold. (Anmerkung von Ashton Ellis.)

[4] Absatz und "»" von KE hinzugefĂŒgt.